22.01.2026
Die aktuellen Leitlinien zum Lipödem sorgen bei vielen Betroffenen für grosse Verunsicherung und Unmut. Besonders kritisch wird diskutiert, dass das Lipödem künftig offenbar fast ausschliesslich über Schmerzen definiert werden soll. Diese starke Verengung birgt die Gefahr, dass ein zentraler Bestandteil der Erkrankung kaum noch Beachtung findet: die erhebliche ästhetische und psychische Belastung, unter der viele Betroffene leiden.
Leitlinien dienen Ärztinnen und Ärzten als Orientierungshilfe für Diagnose, Therapie und die Einschätzung medizinischer Massnahmen. Auch Krankenkassen richten ihre Entscheidungen häufig an ihnen aus. Wenn in diesen Leitlinien Schmerzen als nahezu einzig relevantes Kriterium festgelegt werden, hat das weitreichende Folgen. Der Zugang zu Therapien wird erschwert, die Anerkennung der Erkrankung geschwächt und notwendige Behandlungen können Betroffenen verwehrt bleiben.
Schmerzen sind ohne Frage ein häufiges und ernst zu nehmendes Symptom des Lipödems. Dennoch greift es zu kurz, das Krankheitsbild darauf zu reduzieren. Viele Betroffene haben keine konstant starken Schmerzen und erleben dennoch ein enormes Leiden. Deutliche Disproportionen zwischen Ober- und Unterkörper, knotiges und schweres Fettgewebe, eine ausgeprägte Neigung zu Blutergüssen, Bewegungseinschränkungen sowie Scham, sozialer Rückzug und psychische Belastungen gehören für sie zum Alltag. Dieses Leid ist real, auch wenn Schmerzen nicht immer im Vordergrund stehen.
Besonders problematisch ist, dass die ästhetischen Veränderungen des Körpers in den aktuellen Diskussionen kaum berücksichtigt wird. Dabei ist sie für viele Betroffene der erste und belastendste Aspekt der Erkrankung. Das veränderte Körperbild beeinflusst die psychische Gesundheit erheblich, führt zu Stigmatisierung, chronischem Stress und falschen Zuschreibungen wie Übergewicht oder mangelnder Disziplin. Diese psychische Belastung kann wiederum Schmerzen verstärken oder sogar erst auslösen. Die Trennung zwischen medizinisch relevant und angeblich nur ästhetisch ist weder zeitgemäss noch fair.
Wenn Schmerzen das alleinige Mass aller Dinge werden, fallen viele Betroffene durch das Raster. Sie werden spät oder gar nicht diagnostiziert, nicht ernst genommen und von Therapien ausgeschlossen. Das ist besonders kritisch, da es sich beim Lipödem um eine fortschreitende Erkrankung handelt. Wer erst dann Hilfe erhält, wenn starke Schmerzen vorhanden sind, wird oft zu spät behandelt.
Ein modernes und gerechtes Verständnis des Lipödems muss die Erkrankung ganzheitlich betrachten. Dazu gehören körperliche Symptome ebenso wie ästhetische Veränderungen, psychische Belastungen und soziale Auswirkungen. Nur so lässt sich die Lebensrealität der Betroffenen angemessen abbilden.
Die aktuelle Fokussierung auf Schmerzen als zentrales Kriterium ist weder patientinnenorientiert noch gerecht. Die als unschön empfundene Ästhetik ist kein Nebenaspekt, sondern für viele Betroffene der Kern ihres Leidens. Was es braucht, sind Leitlinien mit Augenmass, die das Lipödem als das anerkennen, was es ist: eine komplexe, belastende und ganzheitliche Erkrankung.
Wir verstehen, dass die Behandlung eines Lipödems wohl überlegt sein will. Gerne nehmen wir uns deshalb die Zeit, um Ihnen im Rahmen einer unverbindlichen Erstkonsultation alle Fragen zu beantworten. Vereinbaren Sie noch heute Ihren Beratungstermin in der LIPÖDEMCLINIC.
Sollten Sie vor der Beratung eine kurze Vorabklärung wünschen, können Sie uns gerne per E-mail kontaktieren.
Egal, auf welchem Weg Sie uns erreichen wollen – wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören/lesen!